Alan N. Shapiro, Visiting Professor in Transdisciplinary Design, Folkwang University of the Arts, Essen, Germany

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Zwischen die Realitäten, von Yuliana Gorkorov

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Zwischen die Realitäten

Yuliana Gorkorov

Ich schreibe diese Zeilen, ich kann sie sehen, bin aber nicht sicher ob sie tatsächlich real sind. Mein Zimmer ist da, auch der Tisch und der Komputer. Der Text erscheint auch da zu sein, aber sobald der Komputer herunterfährt, bleibt aus meinem Text nichts außer schöne Erinnerung. Er befindet sich in die virtuelle Realität, die nimmt immer mehr und mehr Platz in unserem Leben.

Wir simulieren alles – wir führen virtuelle Gespräche, pflanzen virtuelle Gemüse, kümmern uns um virtuelle Katzen. Manche von uns haben sogar virtuelle Charakters die uns im Internet repräsentieren und leben statt uns das perfekte Leben, das wir nicht erreichen können oder wollen. Wir geben uns mühe um unsere gemütliche Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Mit die Entwicklung der Technologie wird es noch reizvoller, weil die virtuelle Realität noch „realer“ wird.

Wie alles im Leben, hat auch dieses Thema drei Seiten: positive, negative, und beides.

Einerseits die virtuelle Realität ermöglicht uns nur das positive im Leben zu geniessen und unsere Ängste zu überwinden. Es ist ja leichter in Facebook eine Nachricht zu eine fremde Person zu schreiben als im realen Leben mit sie zu sprechen. Es gibt „weniger zu verlieren“ und es ist weniger peinlich als richtige Konversation. Man kann besser kontrollieren was man sagt, und viel leichter die Konversation zu  ende zu bringen. Das Gespräch fühlt sich halb real und Zeitlos an. Es kann später weiter geführt werden, vielleicht morgen oder vielleicht in einem Jahr. Facebook Freundschaft hat keine Ablaufdatum.

Ein virtuelle Tier zu haben, gibt das Gefühl sich um jemand zu kümmern, ohne das Gefühl jemand zu verlieren wenn es stirbt. Dopple click sorgt für ein neues Tier, das genau so gut oder sogar besser ist.

Virtuelle Spiele geben einem das Gefühl etwas zu machen, was im echten leben er nie erleben würde.

Und wenn man über Zukunft denkt, wer will nicht Kongfu so schnell beherrschen wie Neo in „The Matrix“. Allerdings, wenn man nicht aufpasst, es besteht die Gefahr das man in „Gamer“ landen.

Die virtuelle Realität bringt mit sich auch Gefahren. Über manche davon spricht Sherry Turtle in ihre Vortrag „Alone Together“. Wir sind zu ein Zeitpunkt gekommen, wo wir nicht mehr Kommunizieren können und entwickeln soziale Angst, sagt sie. Wir brauchen Kurse, Workshops und Übungen die uns zeigen wie man Kommuniziert.

Das gilt nicht nur im Bereich Kommunikation. Wir wissen wie man Gemüse in Facebook Farm anbaut aber nicht wie man es im realen Leben tut. Wir brauchen apps die uns dafür motivieren, sich zu bewegen oder zu entspannen. Es erscheint, als ob je mehr wissen es im Internet gibt, desto mehr grundsätzliche menschliche Wissen von uns verloren gehen. Wir erben so viel durch die virtuelle Medien, dass wir anfangen zu vergessen wie man lebt.

Der Film Matrix ist ein gutes Beispiel dafür, dass die positive und negative Aspekte einer virtuellen Realität sind Frage der Perspektive.

Im Film tauchen mehrere philosophische Bezüge zum Thema Leben, Traum und Wirklichkeit auf. Einer den Hauptbezüge thematisiert das platonische Höhlengleichnis.

In dem Gleichnis wird über Gefangene erzählt, die ihr ganzes Leben in einer Höhle gefangen sind. Sie sehen Schatten auf der Wand, und nehmen die Schatten als Realität wahr. Einem Gefangenen gelingt es, sich zu befreien und nach draußen zu kommen. Er sieht, dass die reale Welt ganz anders ist. Als er wieder in die Höhle kommt um den anderen davon zu erzählen, wollen sie ihm nicht glauben und wollen auch nicht befreit werden. Das Gleichnis spricht über Ignoranz und Wissen,und über die Schwierigkeit der Menschen sich von der Ignoranz zu befreien. Der Geschichte der Matrix entspricht diesem Gleichnis. Die Menschen sind in einer Illusion gefangen. Nur einige konnten sich befreien und müssen auf der Flucht leben. Die meisten, wie z.B. Cypher, bevorzugen das Unwissen. Als Morpheus Neo die blaue und die rote Pille gibt, stellt er ihn vor die Wahl zwischen einem bequemen ignoranten Leben und der Wahrheit. Einen Weg zurück gibt es nicht. Auch die Zuschauer im Kinosaal befinden sich in einer neuen Wirklichkeit. Der Unterschied ist, sie machen das bewusst.

Das Thema Virtuelle Realität bring mit sich viele Fragen, z.B wenn es einen Tag soweit kommt, dass der Mensch die Technologie hat, die Realität genau zu simulieren, würde man sich freiwillig für einen schönen virtuellen Leben entscheiden? Bzw. würde man, wie im platonische Höhlengleichnis, sich für „Ignoranz“ entscheiden? Aber ist es überhaupt Ignoranz, wenn man dabei Glücklich ist? Wahrscheinlich wird nur die Zeit zeigen, ob durch das virtuelle Realität das Perfekte Leben erreicht wird oder ob man dieses Prozess braucht, um zu verstehen das früher alles besser war.

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